Gefühle Gefühle
Ich kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen. Ich sehe zurück auf Menschen, die mich begleitet haben und die nun nicht mehr da sind. Sie waren krank und haben sich das Leben genommen. Aus meiner Sicht war es immer schlimm, wenn jemand “gegangen” ist, der mich beeinflusst hat, dem ich viel zu verdanken habe, und dessen Leben ich aus meiner Sicht immer als wertvoll betrachtet habe. Es sind Menschen dabei gewesen, da kommt es mir fast so vor, als hätte ich ein bestimmtes Leben, das ich hatte, nur und allein ihnen zu verdanken gehabt.
Umso trauriger ist es, dass diese wertvollen Menschen offenbar nicht sehen und erkennen konnten, welchen Wert sie für mich und - wenn man den traurigen Stimmen glaubt - auch für Andere gehabt haben.
Ich sehe auf mein Leben und ich sehe auf das Leben dieser toten Menschen und spüre ein grausames Gefühl der Schuld! Warum bin ich noch da? Warum sind sie es nicht? Ich sehe auf mein Leben und denke, wie verschwendet es ist. Wie banal, wie selbstbezogen, wie dumm. Es ist schrecklich, das zu fühlen, es ist unerträglich. Daher muss ich dieses Gefühl auch verstecken, in der hintersten, untersten, dunkelsten, unbelebtesten Ecke meines Gehirns. Und der Preis dafür, dass es mir auf diese Art möglich ist, mein vergeudetes Leben zu führen, ist der Tod so vieler anderer Gefühle. Ein verdrängtes Gefühl ist ein schwarzes Loch der Emotionen, das erst langsam, dann schneller und immer mehr meiner Lebendigkeit ansaugt, in sich hineinzieht und niemals wieder heraus lässt. Ich kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen.