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Gefühle Gefühle

Ich kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen. Ich sehe zurück auf Menschen, die mich begleitet  haben und die nun nicht mehr da sind. Sie waren krank und haben sich das Leben genommen. Aus meiner Sicht war es immer schlimm, wenn jemand “gegangen” ist, der mich beeinflusst hat, dem ich viel zu verdanken habe, und dessen Leben ich aus meiner Sicht immer als wertvoll betrachtet habe. Es sind Menschen dabei gewesen, da kommt es mir fast so vor, als hätte ich ein bestimmtes Leben, das ich hatte, nur und allein ihnen zu verdanken gehabt. 

Umso trauriger ist es, dass diese wertvollen Menschen offenbar nicht sehen und erkennen konnten, welchen Wert sie für mich und - wenn man den traurigen Stimmen glaubt - auch für Andere gehabt haben. 

Ich sehe auf mein Leben und ich sehe auf das Leben dieser toten Menschen und spüre ein grausames Gefühl der Schuld! Warum bin ich noch da? Warum sind sie es nicht? Ich sehe auf mein Leben und denke, wie verschwendet es ist. Wie banal, wie selbstbezogen, wie dumm. Es ist schrecklich, das zu fühlen, es ist unerträglich. Daher muss ich dieses Gefühl auch verstecken, in der hintersten, untersten, dunkelsten, unbelebtesten Ecke meines Gehirns. Und der Preis dafür, dass es mir auf diese Art möglich ist, mein vergeudetes Leben zu führen, ist der Tod so vieler anderer Gefühle. Ein verdrängtes Gefühl ist ein schwarzes Loch der Emotionen, das erst langsam, dann schneller und immer mehr meiner Lebendigkeit ansaugt, in sich hineinzieht und niemals wieder heraus lässt. Ich kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen.

  • Vor 5 Tagen
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Normalfall

Was wär eigentlich, wenn ich die Reisen, damals mit M., nach Irland und Griechenland, nochmal machen würde? Einfach die gleiche Reise nochmal. Wenn M. mitmacht. Was ich nicht glaube. Aber egal. Was wäre, wenn? Ich bin sicher, es wär spannend. Eine Mischung aus Enttäuschungen und Staunen, aus Melancholie und Erinnerungsglück. Im gleichen Cafè nochmal das Gleiche bestellen. Die Hotels oder Unterkünfte von damals werden von den Kindern der damaligen Inhaber betrieben. Welche längst tot sind. So wie wir auch irgendwann. Die Schafe, die wir essen, sind ebenfalls Ur-ur-Enkel der damals weg gefressenen Schafe. Die Leute sind jetzt modern und haben Internet. Man kann sich also jetzt über das Wetter UND über das Internet unterhalten. Wie damals möchte man sich eigentlich gar nicht mit Anderen, sondern lieber nur mit sich unterhalten. Was man auch tut, was aber nicht auszuhalten ist, wenn man es die ganze Zeit tut. Zu intensiv. Und den Moment, an dem wir früher einfach übereinander her und ins Bett fallen konnten, gibt es ja leider auch nicht mehr.

  • Vor 2 Monaten
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Manie

Im Zug Kids, die eine automatische Tür erst nicht auf, dann nicht zu kriegen. Eine junge Frau war freundlich zu mir. Wie schön. Selten. Wenn ich das nur einfach so annehmen könnte. Einfach nur freuen. Aber nein, ich male mir sofort aus, was wäre, wenn es weiter ginge: Wir gehen wohin, wo wir quatschen und uns beschnuppern und anschließend zu ihr. Wir treibens den ganzen Tag. Gehen abends essen, dann zurück zu ihr, um es die ganze Nacht zu treiben. Am Morgen müssen wir entscheiden, ob wir mit unserem alten Leben brechen und ein neues anfangen. Da wirds dann förmlich. Nach 24 Stunden im Bett glaubt man sich zu kennen und meint, jetzt eigentlich schon alles zu wissen und entscheiden zu können.

  • Vor 2 Monaten
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“Ich weiß auch nicht, warum die sich da so anstellt!”

Das hier ist ein einziger großer, persönlicher und in genervter Stimmung geschriebener Disclaimer. Ich versuch gar nicht erst, Feuilleton draus zu machen. 

Wir sehen die #aufschrei-Welle und wir sehen das Begleit-Geplätscher. Und ohne auf irgendeinen Inhalt einzugehen: Es ist ein Streit um politisches Agenda-Setting. Nicht gegen irgendeine FDP. Sondern gegen Sexismus. Einerseits. Und die Gegenwelle? Egal, welcher Argumente sie sich bedient, und die meisten sind einfach dämlich, sie sagt: Halts Maul, #aufschrei! Halt die Klappe, sei still, kusch!

Dessen sollte sich jeder dieser schlauen Zubendenkengeber, Relativierer, Verharmloser bewusst sein. Und sich klar machen, in welcher Gesellschaft von welchen Wichsern, Spamtrollen und Arschgesichtsärschen er sich für welche Agenda stark macht. 

Ich versteh gut, wenn jemand laut und vielleicht meiner subjektiven Meinung nach dumm nachdenkt. Natürlich. Warum nicht? Großartig. Denken ist grundsätzlich nie verkehrt. Toll, wenn sich mal jemand für geknechtete Männer stark macht. Das hatte ich gestern auf FB. Da hab ich den Link zu einem der begleitenden Medien-Artikel gesetzt. Wow, was für ne Party! Was ich da zu lesen bekommen habe: Männer wie Frauen, die die Pflicht reklamiert haben, sich direkt und sofort zu verteidigen. Männer wie Frauen, die den Aufschrei als Opfer-Attitüde kritisieren wollten. Männer wie Frauen, die mal anmerken wollten, dass es Männer auch nicht leicht haben. Ich hab das nicht verstanden, in diesem Kontext, aber trotzdem: alles okay. Denn - das war meine Pinnwand, irgendwo in den FB-Niederungen. Was ich aber nicht nur nicht verstehe, sondern auch nicht okay finde, ist, dass jemand glaubt, seine Meinung, seine Witze und seine aus der Hüfte geschossenen Billigargumente auf Twitter unter dem gleichen Hashtag bringen zu müssen, unter dem eine große Zahl von Frauen ihre Sexismus-Erlebnisse sammelt. Denn mit welcher Begründung haben sie das unter #aufschrei gebracht?? Na? Jetzt muss doch was Besonderes kommen! Oder? Sowas wie: Mein Argument ist einfach eine Bereicherung für die Debatte, vielleicht, oder so! Oder? Nein. Das Argument war (Achtung, festhalten!): Weil man sich das Recht auf seine freie Meinung nicht nehmen lassen will!

Geil. Das kam im Übrigen auch von einigen viel befolgten, damit potenziell einflussreichen und sich gern schon mal als Maßstab gebenden Twitterern. Die Intelligentsia, jaja! Vor allem Männer! Oh, natürlich gab es auch Frauen, die das alles nicht gut gefunden haben. Aber im Gegensatz zu den männlichen Kollegen haben sie bis auf zwei Idiotinnen und Erika Hirnlos ihr Gemoser nicht unter dem Hashtag #aufschrei zum Besten gegeben. Was ein riesen Unterschied ist! 

Das Opfer-Argument ist natürlich das Geilste. Es ist ein Indikator für die privlegierte Biografie, in der “es” bisher nicht vorgekommen ist. Wie wär’s, es zunächst mal den Opfern zu überlassen, welchen kommunikativen Weg sie gehen, um sich von der Opferrolle zu befreien? Oder was ist der Gegenvorschlag? Aufbegehren durch Klappe halten? “Es” am besten vermeiden? Sich direkt wehren? - Oh, ich sehe sie vor mir, vor meinem inneren Auge, wie sie, wissend um irgendeinen Missstand in den Firmen, in denen sie abhängig beschäftigt sind, immer sofort aufstehen, auf den Tisch hauen und sich alles nicht gefallen lassen. Unsere Gesellschaft ist ja schließlich ganz allgemein bekannt für Zivilcourage und ein überbordendes Maß an kritischer Einmischung! Maulhelden!

Nachwort: Ich finde es gut, dass Frauen Sexismus so auf die Agenda setzen. 

Nachwort 2: Wie alles Gute trägt auch das jetzt schon am Anfang den Keim der Ideologie. Schlecht für mich, der ich als Sexist aufgewachsen bin. Welcher aber nicht auffällt, weil er nicht körperlich übergriffig wird und charmant genug ist und vielleicht auch nicht so schlimm aussieht, dass man an seinen ins Unauffällige verfeinerten Sexismen direkt Anstoß nehmen könnte. Aber eines Tages wird man mir “drauf kommen”, da bin ich sicher. Und dann steh ich blöd da. 

Nachwort 3: Was schlecht für mich ist, ist aber wahrscheinlich und hoffentlich gut für meine Tochter, die sich eine Menge “Ich bin gut angekommen”-SMS sparen könnte, und die sich, wenn sie ausgeht, dann vielleicht nicht mehr irgendwas Schlumpiges drüberziehen müsste, um in der U-Bahn keine Idioten anzuziehen. Die abends nicht allein joggen geht und nachts nicht im Fahrrad durch den Parkt fährt. Nie. Ich weiß auch nicht, wieso sie sich da so anstellt, ich hab da nie ein Problem damit!

  • Vor 3 Monaten
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Gemeinsame Geschichte

Der stärkste Kitt für eine Beziehung ist gemeinsame Geschichte.

Man kennt es, dass Paare sich auseinanderleben. Thomas und Carolin zum Beispiel. Ich war auf ihrer Hochzeit. Es war ein traumhafter Start. Wie besoffen standen wir versonnen herum und haben ihren Hochzeitstanz beklatscht. Wie besoffen von der Vorstellung und dem anscheinend vor unseren Augen in Erfüllung gehenden kollektiven Wunsch, dass es hier vielleicht wahr sein könnte, dass wir hier vielleicht zwei Menschen vor uns haben könnten, die ES schaffen werden.

Nur um wenige Jahre später festzustellen, dass Thomas und Carolin beide nicht die Menschen waren, die wir in ihnen gesehen hatten. Jedenfalls waren sie es nicht als Paar. Sie waren nicht Mr. und Mrs. Right. Offenbar waren sie selbst auch zu dieser Ansicht gekommen, denn sie wurden unzufrieden mit sich und stritten und ärgerten sich und quälten sich und nervten sich nur noch die ganze Zeit. Ihre große Liebe schien so verschwunden zu sein wie Carolins glückvolles, zufriedenes Lächeln auf der Hochzeit und das stolze Eroberergrinsen von Thomas. Jeder fragte, warum trennen sie sich nicht. 

Wegen der Kinder hieß es dann. Wegen des Hauses, hieß es. Aber eigentlich war es wegen der Kinder, dachte man. Es war etwas anderes, es war ihre gemeinsame Geschichte. Die intensivsten Augenblicke ihres Lebens hatten sie miteinander verbracht. Zwei Kinder hatten sie zur Welt gebracht und gegen Milliarden verschiedenster Gefahren beschützt: gegen die Mittelohrentzündung und herzzerreißendes nächtliches Husten, gegen Hannes, den Beißer, auf dem Spielplatz, gegen ungerechte und hartherzige Erzieherinnen, gegen Verkehrsunfälle, Umweltgefahren, falsche Ernährung, mit einem Wort gegen die Welt. Sie waren eine Kampf- und Verteidigungsgemeinschaft geworden. Wortlos, per Telepathie konnten sie sich ihre gleiche Meinung über die blöden Erziehungsmethoden von Heike über vier Biertische hinweg mitteilen. Sie standen Rücken an Rücken in der Welt, ihre Kinder auf dem Arm, und boten der Welt in einem heroischen Kampf um das Wohl ihrer Kinder die Stirn. Sie waren Sieger, ein bisschen, aber nur gemeinsam, und das verbindet. Sie teilten Erinnerungen, die sie zusammenschweißten und sie unweigerlich als eine siamesisch verbundene Doppelpersönlichkeit zurücklassen mussten. Ähnlich, nur nicht so existenziell, war es mit den Erlebnissen um Jobglück, Geldglück, Wohnglück, Urlaubsglück, Glückglück und irgendwo am Ende auch Sexglück und Spaß. Der Spaß blieb auf der Strecke, das war es, was man sehen konnte. Doch das Entscheidende war: Sie hatten ihn gemeinsam verloren! Sie hatten ihn diesen Jahren so viel gehofft, gelitten, geweint, gelacht - mit einer Intensität, die sie sowohl lebendig gemacht, als auch ausgepowert hatte, dass nicht vorstellbar war, wie und mit wem sie Ähnliches auch nur ansatzweise so erleben können würden. 

Sie wussten so viele Geheimnisse über den Anderen. Welches ist sein kaputtes Knie? Wie ist seine Zeit über 6 Kilometer? Was findet Carolin an La Boheme? Wo muss man sie nur berühren, und sie hat sofort Lust auf Sex? Welche Farbe? Welches Bild? Welche Bücher? Welche davon wirklich? Das Thema ihrer Magisterarbeit? Welches Lieblingsgericht? - Ein dreijähriger Grundkurs wäre nötig gewesen, um hier einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin einzuarbeiten. Gleichzeitig - bei allem Ärger miteinander - war es genau das, worin sie beide Experten waren: Darin, den Anderen zu kennen. Das war ihnen nicht klar und nicht wichtig, aber es war Teil dieser Geschichte ihres Lebens, die der Andere verkörperte. 

Menschen in Isolationshaft verlieren ihre Erinnerungen, verlieren die Chance mit einem Gegenüber ihre Geschichte zu erhalten, und am Ende verlieren sie sich selbst. Ohne eine mit irgendjemandem geteilte Geschichte geht der Mensch ein. Er ist niemand mehr. Er verschwindet vor seinen eigenen Augen. Die eigene Geschichte ist eine Wurzel, aus der man wächst. Wird sie zerstört, ist man in Gefahr. Und eine gemeinsame Geschichte zu beenden und für nichtig zu erklären ist, als hackte man sich die eigenen Wurzeln ab. Natürlich ist das nur eine Illusion. Aber eine sehr mächtige Illusion. 

  • Vor 4 Monaten
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Twitter - Ode an die Freude

O Freunde, nicht diese Töne! / Sondern lasst uns angenehmere / 
anstimmen und freudenvollere. (…)
[= nicht immer nur das Negative sehen, sondern öfter über das schreiben, was das Leben schön und lebenswert macht]

Freude, schöner Götterfunken, / Tochter aus Elysium, /
wir betreten feuertrunken
[= trunken] , / Himmlische, dein Heiligthum [= Twitterversum]! /
Deine Zauber binden wieder / was die Mode [= das blöde RL] streng geteilt; /
alle Menschen werden Brüder, [= DAS IST Twitter] / wo dein sanfter Flügel weilt. [= “Hach!”]

Wem der große Wurf gelungen, / eines Freundes Freund zu sein [= Follower/Followings] ; /
wer ein holdes Weib errungen [= Fickwunschverdacht usw. usf.], / mische seinen Jubel ein!

Ja, wer auch nur eine Seele / sein nennt auf dem Erdenrund! [= Follower, da sind sie wieder] / 
Und wer’s nie gekonnt, der stehle / weinend sich aus diesem Bund! [= abmelden!]

Freude trinken [= trinken trinken, alles klar] alle Wesen / an den Brüsten der Natur [= instagram]; /
alle Guten [= wir], alle Bösen [= FB] / folgen ihrer Rosenspur. 

Küsse [= ***] gab sie uns und Reben [= Alkohol wieder], / einen Freund, geprüft im Tod; / 
Wollust ward dem Wurm gegeben [= Penis], / und der Cherub steht vor Gott.

Froh, wie seine Sonnen fliegen / durch des Himmels prächt’gen Plan, /
laufet, Brüder, eure Bahn, / freudig, wie ein Held zum Siegen. [= Leaderboard - machen wir uns nichts vor]

Seid umschlungen, Millionen! [= “mach mir die zehntausend voll”] / Diesen Kuss [= *] der ganzen Welt! [= Kleinerdrei] /  Brüder, überm Sternenzelt [= Favstar] / muss ein lieber Vater wohnen [= wtf]. / Ihr stürzt nieder, Millionen? /  Ahnest du den Schöpfer, Welt? [= soll heißen “Ahnest du die Welt? bzw. das RL”] / Such’ ihn überm Sternenzelt! / Über Sternen muss er wohnen. [= soll soviel heißen wie “jenseits von Favstar” wartet die Realität]

Seid umschlungen, Millionen! / Diesen Kuss der ganzen Welt! / 
Brüder, überm Sternenzelt / muss ein lieber Vater wohnen. / 
Seid umschlungen, diesen Kuss der ganzen Welt! /  Freude, schöner Götterfunken / 
Tochter aus Elysium, /  Freude, schöner Götterfunken, Götterfunken.

  • Vor 4 Monaten
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We do not believe in ourselves until someone reveals that deep inside us something is valuable, worth listening to, worthy of our trust, sacred to our touch. Once we believe in ourselves we can risk curiosity, wonder, spontaneous delight or any experience that reveals the human spirit.
E.E. Cummings (via cosmic-rebirth)

(via psychedelicmandala)

Quelle: cosmic-rebirth

  • Vor 4 Monaten > cosmic-rebirth
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Hinter dem Spiegel

Fasziniert lausche ich meinem Gespräch mit so einer Art Spiegel. Ich hab keine Ahnung, wovon du redest, sagt der Spiegel. Darauf ich: Häh? - Ja, stimmt, Hermeneutisch steh ich auf dem Niveau einer Katze (sie steht vor dem Spiegel, sieht ihr Bild und glaubt, es ist ein anderes Tier). Ich bin neidisch auf das Wesen im Spiegel. Es kennt anscheinend keinen Hunger und keinen Schmerz. Sogar, wenn es ihm schlecht geht, ist seine Haltung einwandfrei. Wenn ich lache, lacht das Wesen im Spiegel zurück. Da! Es winkt auch! Es mag mich! Ich bin glücklich. Für einen Moment. 

Wenn ich nicht vor dem Spiegel sein kann, bin ich traurig. Ob das Wesen im Spiegel jetzt auch an mich denkt? Ich hoffe, es trifft die richtigen Entscheidungen für uns. Das ist ein Spiegel, sage ich mir dann. Ein Spiegel, verstehst du das nicht? Aber ich höre mir nicht zu und ich glaube mir nicht. Ist es nicht Eifersucht, die mich das sagen lässt?

Ich bin verwirrt. Es ist schwer, zu verstehen, dass nichts, was ich liebe, wirklich existiert. 

  • Vor 4 Monaten
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W ü s t e n . T e x t e: Rückblick auf die 2012er Timeline

raventhird:

“Derbe ins neue Jahr reingesoffen. Mein Kopf schmerzt. So viel sauf ich bis übermorgen nicht wieder ;)!”

“Ich guck Wetten Dass… ? - also dieser Lanz ist ja voll nervig. Guckt ihr auch? Findet ihr das auch?”

“Schon Adorno hat vorhergesagt, dass die Literatur der Zukunft bei #Instagram und…

  • Vor 5 Monaten > raventhird
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Bei mir ist du schön

Manchmal seh ich mir Blogs und FB-Profile an. Ich les die Texte, meistens erst mal nur die kurzen. Und ich seh mir natürlich die Fotos an. Dann schau ich vielleicht noch, ob und was für Links es gibt. Entdecken. 

Dabei ist mir aufgefallen, wie schön viele der Menschen bzw. Fotos sind (und ja, ich kenne die Möglichkeiten von Photoshop). Es gibt das helle Schöne, es gibt das melancholische Schöne, es gibt das rätselhaft geheimnisvoll Schöne, ja, es gibt auch das Schöne der Hässlichkeit: von der malerisch verlaufenen Schminke über irgendwelch trotzig unfreundlichen Blicke bis hin zu wilden Absturz- oder Endzeit-Szenen - ein bisschen Gothic-Filter und schon - Abrakadabra! - schön!

Schöne Fotos also und schöne Menschen. Wenn es nicht zu billig gemacht ist, freu ich mich an den Bildern und finde diese schönen Menschen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sympathisch. Wenn die Bilder richtig gut sind, animieren sie mich zum Weiterschauen. Ich folge der Schönheit, ich nenne das jetzt einfach mal ungenau so, weil mir die Fotos gefallen. So ist das bei Fotos. 

Aber wie ist es mit Texten? Es ist ganz anders als mit Fotos, denn ich finde es kitschig, wenn jemand Wirklichkeit so idealisiert beschreibt, wie viele dieser Fotos es tun. Ich weiß nicht, warum. Ich weiß auch nicht, ob es irgend eine Rolle spielt. Vielleicht ist das auch nur eine Eigenart, vielleicht kennen Andere das nicht. Die Welt stellt sich für mich nicht als Rosamunde-Pilcher-Kosmos dar. Die Welt ist für mich ein verwirrender und widersprüchlicher Ort ohne Grenzen, sehr bunt und manchmal sehr schmerzhaft schmutzig und böse. Ein Ort, an dem ich mich oft gar nicht traue, ihn schön zu finden, sowieso immer nur für Momente, weil ich weiß, dass er es um die nächste Ecke, ein Stück weit weg schon nicht mehr ist. All das ist in meinem Denken, wenn ich etwas lese. Und die beschriebene Welt zu einfach, zu klar, zu hell und zu schön ist. Daher mag ich solche Texte nicht. Anders als bei Bildern, kann mir das Schöne in Texten eigentlich nur gefallen, wenn es die Gebrochenheit der Welt - und sei es in Nebensätzen - mit beschreibt. 

Ich bin überzeugt, dass es schwerer ist, die Welt mit Texten schön zu beschreiben als mit Fotos. Gleichzeitig bin ich sicher, dass das etwas ist, was sich theoretisch lohnen würde. Oder hab ich einfach beim Lesen zu viel falsch nachgedacht? Ich verstehe, was für eine Kraft in einem Stück “Der kleine Prinz” steckt, aber ich finde, es ist eine Erzählung, die mich in eine Sehnsucht nach etwas versetzt, das nicht ist. Aber vielleicht sehe das nur ich so. Wie beschreibt man die Welt so, dass Sehnsucht entsteht nach dem, was ist? Wie es Fotos vermeintlich leichter gelingt.

  • Vor 5 Monaten
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Bitte!! Die Beweislast wieder den Idioten!

Früher gab es sieben Farben. Oder acht, je nachdem, wie gut man hingesehen hat, heute gibt es 32 Tausend Milliarden Farben. Früher gab es auch nur zwei drei fiese Gifte. Auch davon gibt es inzwischen Millionen. Man musste sich nur einen Pilz, eine Schlange, eine Tollkirsche und zwei drei böse Tiere merken und ein bisschen aufpassen und schon war man außer Gefahr. Heute lauert die Todesgefahr überall. Meist ist es eine unsichtbare Gefahr, geruchslos, farblos, schleichend rafft sie einen dahin. Ausweichmöglichkeiten keine. Und als ob die Millionen Gilfte, die in einem einzelnen Stück Plastikfolie oder in einer Scheibe Wurst stecken, nicht schon bedrohlich genug wären, trifft man sie neuerdrings zu allem Überfluss auch noch in Kombination an, wo sie sich ergänzen, aufschaukeln und verschlimmern.
Nichts davon ist erforscht. So wie die Farben des früheren Farbspektrums von Goethe oder die giftigen Pflanzen von Humboldt und seinen Freunden erfasst, gezeichnet, beschrieben, benannt und identifiziert worden waren. Alles ist zuviel, alles ist unübersehbar, kompliziert und nicht zu verstehen. Man kennt nicht mehr vier Freunde gut und 28 weitere Menschen so beiläufig, man kennt 800 Freunde, Follower, Kontakte oder sonstwas Avatare. Alles unübersichtlich. Alles zuviel. Alles nicht erforscht. Und was nicht erforscht und bewiesen ist, findet nicht statt. Peak-Oil? Nicht beweisbar.
Früher war das anders. Da konnte man etwas noch beweisen. Heute ist das schier unmöglich. “q.e.d.” hatte einmal Bedeutung, heute kaum noch. Heute kann man jeden Unsinn behaupten und in die Welt setzen. Das Gegenteil zu beweisen ist kompliziert und teuer und daher praktisch unmöglich. Und so gibt es die Klimakatastrophe in Wahrheit gar nicht, Schokolade macht dünn, es ist intelligent, sich nicht zu bewegen und keinen Sport zu treiben, Antibiotika in Tieren sind gut, Rauchen entlastet die Kranken- und Rentenversicherungen, die Ausländer sind an allem schuld, Gott hat die Welt in sieben Tagen gebaut, nein doch nicht, nein doch, die einen sagen so, die anderen so. Man wartet nur darauf, dass irgendwer die Phlogiston-Theorie wieder auspackt. 
Das Problem: Heute gilt nicht mehr, dass die Beweislast bei dem liegt, der eine Legende in Umlauf bringt. Man darf alles behaupten - ungestraft -, und breitest verlinkt wird einfach jeder Scheiß. Die Beweislast liegt nicht mehr bei den Idioten, was die Flut der Idiotien ein bisschen eindämmen könnte, sondern die Beweislast liegt bei denen, die diesen Schwachsinn wieder ausräumen wollen. Wir werden alle sterben? Wirklich? Wer weiß.

  • Vor 5 Monaten
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If I had a hammer

Ich hab mir heut nen Hammer gekauft. Denn ich will leben. Leben und das Leben genießen. Und ein Hammer ist Leben. Ein Hammer ist Zukunft, ist Freiheit, ist alles, was das Herz begehrt. Weil man mit einem Hammer nicht nachdenken kann, so einfach ist das. Man kann auch nicht groß rumtrödeln und planen. Man kann nur auf irgendwas draufhauen. Und zwar jetzt! Nie wird man dasitzen und nachdenken, wie gern man doch damals, in grauer Vergangenheit, auf irgendwas draufgehauen hat und wie glücklich man damit war. Alles Gelaber, alles doof, alles nur knochentote Theorie. 

Mit einem Hammer hat man nie das Gefühl, dass man das Leben verpasst. Man haut auf was drauf und schon ist man wieder im Spiel. Es ist alles so unmittelbar und direkt. Sogar bei, sagen wir mal, Sex, kann man in Gedanken entwischen. Es ist vielleicht nicht schön, es ist vielleicht eng, es ist vielleicht anstrengend oder es riecht komisch und - schwupp - schon ist man nicht mehr bei der Sache. Man ist nicht mehr da. Man könnte grad so gut - egal. Kaum vorstellbar, dass man Favs für Hammerschläge von gestern bekommt. Was man mit einem Hammer tut, kann man nicht aufsparen oder bewahren. Mit einem Hammer ist man immer voll da!

  • Vor 5 Monaten
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Da ist ein komisches Geräusch

Es ist früh. Ich sitze da. Meine Gedanken kreisen um mich. Ich aale mich. Es ist schön, in meinem Kopf mit mir allein. Selbst unklare und gefährliche Gedanken haben einen Abstand, der es leicht macht, sie zu konsumieren. Ich beobachte den Hund. Er ist weit weg. Ich denke über die Zombie-Apokalypse nach. Ob sie mir nur unangenehm ist, weil ich schwächer werde? Oder ob sie mir unangenehm ist, weil sie eine Metapher auf das Zusammenbrechen eines Privatlebensidylls ist, von dem ich träume, das ich mir immer gewünscht habe, das ich rein äußerlich gesehen auch bekommen habe, das aber eigentlich längst zerstört ist? Nein “Zusammenbrechen eines Idylls” stimmt nicht. Das ist zu passiv. In Wahrheit ist die Zombie-Apokalypse das gewalttätige Hereinbrechen und der Einbruch der Welt und des kalten Draußens in eine cocoonige Kapsel privater Selbstzufriedenheit. In diesem Moment eitler Reflektionen, die mich an die Ufer eines wunderschönen Badesees voller Selbstmitleid hätten führen können, in dem ich dann ein ausgiebiges Bad hätte nehmen können, in diesem Moment werde ich entdeckt. 

  • Der Hund hat nicht gefressen. Was ist mit dem Hund los? Ob der Hund krank ist. Der Hund der Hund.
  • Gestern ist die zweite Katze nicht gekommen. Bestimmt ist etwas passiert, oder? Sicher ist sie irgendwo hineingestürzt. Sie liegt hilflos in einem Kellerfenster und verhungert und verdurstet. Wir müssen sie suchen.
  • Heute müssen wir nichts machen. Die Woche war anstrengend. Heute machen wir nichts. Ich mache auch nichts. Ich auch nicht ich auch nicht. Nichts nichts.
  • Achso, du musst dir die Reifen ansehen. Da ist ein komisches Geräusch. Irgendwas ist da. Ich seh aber nichts. Ein komisches Geräusch.
  • Die Heizung geht nicht. Es kommt warmes Wasser. Es ist auch warm, wenn man die Hand dran hält. Aber es wird nicht richtig warm. Wir müssen die anrufen. Die müssen sich das anschauen. Bald wird es richtig kalt. Die müssen kommen. Am Dienstag. 
  • Das Kleid passt nicht. Ich hab mir ein Kleid bestellt. Es passt nicht. Eigentlich passt die Größe. Sie hat immer gepasst. Jetzt passt sie nicht.
  • Ich weiß nicht mehr, wo der Plastikbeutel ist. Die von Dings machen Tags an die Klamotten, da ist es egal, wie man sie einpackt. Die hier haben nur auf dem Plastikbeutel stehen, was es für ein Artikel ist. Wenn man den Plastikbeutel verwechselt, kann man die Sachen nicht zurückschicken. Der Beutel ist weg. 

Vor meinem inneren Auge materialisiert sich das Bild von jemandem, der im Sumpf steckt, der stumm und mit verzweifelten Gesten, aber vor allen Dingen stumm, versucht, sich aus dem Sumpf herauszuziehen. Der Sumpf meint es nicht persönlich. Der Sumpf hat keine Absichten oder Pläne. Der Sumpf ist der Sumpf. Er zieht hinein. Wie das blaue Licht. Es leuchtet blau. Sinfonie des Morgengrauens.

  • Vor 8 Monaten
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Kimbra - “Cameo Lover”

  • Vor 8 Monaten
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Musik ist Liebe. Liebe ist Musik.

  • Vor 8 Monaten
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